Tringa ochropus

Klasse: Vögel (Aves) Ordnung: Wat-, Alken- und Möwenvögel (Charadriiformes) Familie: Schnepfenverwandte (Scolopacidae) Gattung: Tringa Art: Waldwasserläufer

Kennzeichen: 23 cm. Schwärzliche Flügel (auch unterseits), weißer Bürzel. Oberseite im Brutkleid dunkelbraun, dicht hell gefleckt; im Ruhekleid bräunlichgrau, Fleckung kaum auffallend. Von der sonst weißen Unterseite scharf getrennte dunkle Brust; weißer Augenring; nicht hinter das Auge reichender weißer Überaugenstreif, grüngraue Beine.
Flug: Schneeweißer Bürzel.
Verhalten: Außerhalb der Brutzeit sehr gesellig, schließt sich oft mit Tafelenten zusammen.
Biometrie: Flügellänge: ♂ 140–149, ♀ 142–151 mm, Gewicht: ♂/♀ 60–90 g; Zugvögel bis zu 112 g.
Brutzeit: Mitte April im Süden, bis Ende Juni im Norden; 1 Jahresbrut (Nachgelege möglich).
Gelegegröße: (3) 4
Eifärbung: schmutzigweiß, rahmfarben, schwach oliv oder grünlich, mit kleinen purpur- oder rötlichbraunen Flecken, Punkten, Klecksen, Kritzellinien; Schalenflecke graulila; glatt, schwach glänzend
Eimaße: kreiselförmig bis oval, ca. 39 x 28 mm
Brutdauer: ca. 22 Tage.
Nestlingszeit: Nestflüchter, Fütterungszeit 26/28 Tage, ♂ füttert mehr.
Lebensraum: Zur Brutzeit Moore, sonst deckungsreiche Ufer.
In Mitteleuropa: Ganzjährig.

Quellen der Kurzbeschreibung:
Gräfe und Unzer Verlag München "Fotoatlas der Vögel",
Kosmos Verlag Stuttgart "Enzyklopädie der Brutvögel Europas",
BirdGuides Ltd "Birds of the Western Palearctic BWPi 2.0.1"

Kennzeichen: Der Waldwasserläufer ist der oberseits dunkelste Wasserläufer. Oft bemerkt man den sich geschickt in Deckung haltenden Vogel erst beim Auffliegen. Bei Störungen flüchtet er in panischem Zick¬zackflug, der an den der Bekassine erinnert. Dann sind der dunkle Rücken im Kontrast zu leuchtend weißem Bürzel und Bauch und auch die charakteristischen feinen Rufe sichere Artkennzeichen.

Lebensraum: Der Artname bezieht sich auf den typischen Lebensraum während der Brutzeit. Bruch- und Auwälder und andere nasse Waldtypen sowie waldbestandene Ufer von Gewässern bilden die typischen Brutgebiete. In der Taiga weiter im Osten werden auch höhere Lagen besiedelt. Außerhalb der Brutzeit halten sich Waldwasserläufer fast ausschließlich an Binnengewässer, vorzugsweise solche mit reich bewachsenen Ufern. Man trifft sie dann an einer Vielzahl von Gewässertypen, an Ufern größerer Seen, aber auch an Flüssen und Bächen, Fischteichen sowie einzeln selbst an kleinen Gräben oder Tümpeln, wo sie auch in Mitteleuropa oft zu überwintern versuchen. An der Küste halten sie sich so gut wie nie auf großen offenen Schlickflächen auf, höchstens in kleinen Gräben oder Flussmündungen, in den Tropen auch in der dichten Mangrove.

Verbreitung: Das Brutgebiet der Art liegt in der nördlichen Waldzone und zieht sich von Nord- und Osteuropa über Asien in einem breiten Gürtel bis nach Ostsibirien. Südlich davon gibt es zwei kleine isolierte Vorkommen in Kirgisistan und in der chinesischen Provinz Xinjiang. An der Südwestgrenze haben sich in letzter Zeit Veränderungen vollzogen, von denen man allerdings noch nicht weiß, ob sie zu einer dauerhaften Erscheinung werden. Sowohl in Dänemark als auch in der Osthälfte Deutschlands von der norddeutschen Tiefebene bis nach Bayern ist die Art als Brutvogel eingewandert. Die kleinen Bestände haben deutlich zugenommen. Einer der Gründe dafür könnte die Abnahme des Waldwasserläufers unmittelbar östlich, nämlich in Westpolen sein. Damit hätte also eine Umsiedlung stattgefunden. Andererseits scheint die Nachwuchsrate der westlichsten Brutvorkommen auszureichen, um den dortigen Bestand aus eigener Kraft halten zu können. Vielleicht spielt hier auch das milde Winterwetter der letzten Jahre eine Rolle, das Winterverluste verringert. Waldwasserläufer überwintern nämlich regelmäßig in kleiner Zahl auch in Mitteleuropa, ganz im Unterschied zu den anderen Wasserläuferarten. Westeuropa und das Mittelmeergebiet bilden bereits einen wichtigen Teil des Winterquartiers der Art.

Zug: Nördliche und östliche Brutvögel sind allerdings überwiegend Langstreckenzieher. Sie wandern bis ins tropische Afrika vom Südrand der Sahara bis weit über den Äquator. Weitere Winterquartiere sind Vorderasien und das gesamte tropische Asien nach Osten bis zu den Philippinen. Auf dem Zug sind sie oft nachts unterwegs; man kann sie gelegentlich am nächtlichen Himmel hören.

Nahrung: Weniger als die meisten anderen Wasserläufer stochern Waldwasserläufer im weichen Boden. Sie fangen vielmehr Insekten von der Bodenoberfläche oder von niedriger Vegetation, im Seichtwasser auch kleine Krebstiere, Mollusken und viele im Wasser lebende Insektenlarven. Sie können schwimmen und tauchen sogar mitunter auf der Nahrungssuche ganz unter. Im Winter hat man sie verschiedentlich auch kleine Fischchen fangen sehen.

Verhalten: Waldwasserläufer wirken fast immer etwas nervös und wippen im Stehen mit dem Körperhinterende. Sie sind ausgesprochene Einzelgänger. Auch auf dem Zug trifft man höchstens kleine, meist nur locker oder vorübergehend zusammenhaltende Trupps.

Brut: Watvogelnester sind meist kaum der Rede weil, aber das des Waldwasserläufers ist wahrlich ungewöhnlich. Er legt seine Eier weit über dem Boden ab und ist der einzige Watvogel mit dieser Gewohnheit (Bruchwasserläufer tun dies nur ausnahmsweise). Er nutzt verlassene Nester von Drosseln, Ringeltauben, Eichelhähern, Krähen oder sogar Eichhörnchen und legt seine Eier nach (wenn überhaupt) minimalen Umbaumaßnahmen direkt hinein. Das Nest befindet sich oft in über zehn Meter Höhe in einer dicken Kiefer oder Fichte. Die höchsten Nester hat man bis in 20 m Höhe gefunden. Damit sind junge Waldwasserläufer einem recht hohen Risiko ausgesetzt, denn sie müssen aus dem Nest herabspringen. Beide Geschlechter brüten, die Männchen jedoch oft sehr viel weniger als die Weibchen. Zunächst werden die Jungen von beiden Eltern geführt, die Weibchen verlassen aber häufig die Familie, bevor die Jungen selbstständig geworden sind.


Quellen der ausführlicheren Beschreibung:
Kosmos Verlag Stuttgart "Enzyklopädie der Brutvögel Europas",
Eugen Ulmer KG Stuttgart "Der große Vogelatlas",
wikipedia.de

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